Mom of the day

Eigentlich dachte ich ja immer mir, als junger Mutter würde so etwas nie passieren. Ich ging ganz selbstverständlich davon aus, dass einer der gravierenden Vorteile einer frühen Mutterschaft natürlich darin bestünde, ziemlich cool zu sein und niemals peinlich werden zu können. Denn immerhin sind die Teeniejahre noch nicht so lange her um sich vollständig von der Festplatte gelöscht zu haben. Nein, im Gegenteil, manchmal hat man das Gefühl, das war doch gerade erst vor gefühlt 3 Jahren und stellt dann fest, es sind doch schon 15 Jahre rum.

Mit ganz offensichtlich groben Patzern ist also nicht zu rechnen. Etwa, im rosa Erwachsenenstrampler mit Einhornpuschen die Haustür öffnen und dem Nachwuchs unter Androhung sämtlicher Kosenamen die man ihm über die Jahre hinweg auferlegt hat mitzuteilen, dass seine Freunde an der Tür sind. Ich möchte nun allerdings der Form halber festhalten, dass ich natürlich keines dieser Kleidungsstücke besitze.

Meine Kinder haben es also gut! Dachte ich!

Nun kam es dazu, dass ich neulich meinen Sohn samt Geburtstagsmeute in die Soccerhalle fuhr. Unterwegs sammelten wir der Reihe nach alle Kinder ein, während die Lüftung dröhnte. Die Scheiben waren an diesem Morgen von innen und außen beschlagen. Der letzte Gast suchte noch nach seinen Sportschuhe während wir im Auto warteten.

Mit Blick durch die hintere Seitenscheibe stellte ich fest, dass jemand von außen an die nasse Fenster Herzchen gemalt hatte. Sofort verlangte mein Hirn nach Aufklärung -ohne sämtliche Peinlichkeitsregeln zu beachten. „Maxim, hast du mir etwa diese Herzchen an die Scheibe gemalt?“ hörte ich mich entzückt sagen. Noch bevor ich mich schuldbewusst umdrehte ahnte ich, dass diese entsetzte Stille seitens meines Sohnes nur eines bedeuten konnte: Mutter hatte ihn blamiert!

Eines wusste ich aber doch noch: Im Kopf eines Teenagers im frühen Stadium der Pubertät stehen in erster Linie alle Zeichen auf rumbocken, maulen und natürlich sich ungerecht behandelt fühlen. Hätte sich ein findiger kleiner Junge oder junger Erwachsener nun locker aus der Situation heraus gequatscht, scheint im pubertären Gehirn an dieser Stelle nur eine spontane Reaktion angelegt zu sein:

„Boah Mama, bist du peinlich!“

Da war er nun, der Satz den ich nie erwartet hatte zu hören. Die anderen Kinder johlten. Maxim bestrafte mich mit Schweigen und vorwurfsvollen Blicken im Rückspiegel.

Der letzte Gast stieg zu, wir fuhren weiter. Lang ist die Fahrt ins Industriegebiet unserer Stadt nicht. Aber mein Hirn kreiste noch immer um den Vorfall und wie ich diese Peinlichkeit fortan behandeln sollte. Ist er mir sehr böse? Wird er noch länger gehänselt werden deswegen?

Automatisch steuerte ich den Parkplatz an, suchte eine Parklücke und begann einzuparken. Beim Schulterblick fiel mir auf, das die Kinder auf der Rückbank sich irrtierte Blicke zuwarfen. „Ähm, Mama was machen wir hier?!“

Völlig in Gedanken, hatte ich scheinbar den Ort angesteuert, welchen wir in 80% aller Fälle im Industriegebiet aufsuchten: Das Schwimmbad!

Wir kamen dann ohne weitere Zwischenfälle in der Soccerhalle an. Für den Rest des Tages hielt ich mich fortan im Hintergrund. Ich schenkte artig Getränke nach und besorgte ohne große Reden das Essen.

Da hatte ich ihn nun: Meinen Titel als peinliche Mutter!

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